Klimaneutralität in der Sektion Geislingen Steige

Wir fürs Klima | © DAV
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Gletscherzunge | © DAV
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Klimaschützer*in gesucht | © Gerhard Dangelmaier
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Wo stehen wir und wie geht es weiter?

Eigentlich ist alles klar, wohin die Reise gehen sollte: Wer Ski fährt oder im Sommer zu Fuß in den hohen Bergen unterwegs ist, hat es schon längst mitbekommen: Schnee und Eis werden immer weniger. Der Rückgang des Permafrostes lässt die Berge bröckeln. Meteorologen sagen häufigere Extremwetter voraus, der Meeresspiegel steigt momentan um ca. 4 mm jährlich. Betroffene spüren das bereits. Diese Phänomene sind alle gut erforscht, die Ursachen sind klar. Die Gegenmaßnahmen ebenso: Die Emission von Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle muss so schnell wie möglich reduziert, ja sogar gänzlich vermieden werden. Populistisches Geschwafel von der Technologieoffenheit verunsichert und suggeriert, dass doch alles so bleiben könne wie bisher. Das ist technisch nicht sinnvoll und wirtschaftlich nicht machbar.

Zuschauen und abwarten ändert aber nichts. Dann geht es nicht nur weiter mit der Klimaerwärmung, sondern auch mit dem globalen Technologietransfer: Wenn nur anderswo die häufig bei uns entwickelten Windkraftanlagen, Solarmodule, Batterien und Elektrofahrzeuge gebaut werden, wird sich unser Lebensstandard nicht halten lassen.

Der DAV hat diesen Handlungsbedarf erkannt und in seinen Gremien einvernehmlich das Ziel formuliert: Klimaneutral bis 2030. Der DAV besteht aber aus Mitgliedern und Sektionen. Der wichtigste Vereinszweck ist für sie die Ausübung des Bergsports. Die damit verbundenen Mobilität verursacht aber mit durchschnittlich ca. 80 % den größten Teil der klimaschädlichen Emissionen bei unseren Vereinsaktivitäten. Wir wissen alle, wie wir diese vermeiden und reduzieren könnten: Fahrgemeinschaften, Öffis, keine Flüge, statt oft kurz, besser weniger oft lang wegfahren, manchmal auch Alb statt Alpen ... Ziel optimierter Planung muss es sein: hoher oder vielleicht sogar höherer Erlebnis- und Erholungswert bei reduziertem Mobilitätsaufwand. Wie weit kommen wir bis 2030? Fahrgemeinschaften werden allmählich selbstverständlich. Ansonsten bin ich skeptisch. Private und öffentliche Fahrzeuge mit den dazugehörigen Verkehrswegen sind langlebig. Veränderungen brauchen Zeit. Es ist aber klar, dass man bei der Neuanschaffung sektionseigener oder privater Fahrzeuge am Elektroantrieb nicht vorbeikommt, wenn man dem Klimaschutz gerecht werden will.

Wenden wir uns nun den restlichen 20 % zu. Diese Emissionen werden zu einem großen Teil durch sektionseigene Gebäude wie Hütten, Geschäftsstellen und Kletteranlagen verursacht. Haus Schattwald ist durch Strom aus 100 % regenerativen Quellen, mit Solarthermie vom eigenen Dach und Stückholzheizung versorgt, also optimal klimaschonend. In der Geschäftsstelle ist die Stromversorgung ebenfalls zu 100 % regenerativ, auf die Art der Heizung haben wir als Mieter keinen Einfluss. 

Auch auf der Geislinger Hütte bei Treffelhausen haben wir zu 100 % regenerativen Strom, einen mit Holz befeuerten Kachelofen mit nagelneuem, zertifizierten Einsatz für den Komfort und eine im Jahr 2003 eingebaute 21 kW-Brennwert-Flüssiggasheizung für die Grundlast. Für Heizkessel sind Lebensdauern von 25 Jahren üblich also sollte man Überlegungen zu einem Ersatz anstellen. 

Deshalb beauftragten wir im März 2025 bei der Energieberatung des Landkreises Göppingen ein Gutachten – daraus kurz die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Energiekennzahl ist das Verhältnis von verbrauchter Energie pro Jahr zur Nutzfläche. Im Idealfall liegt die Energiekennzahl unter 50 kWh / m²a. In äußerst schlechten Fällen liegt sie bei über 200 kWh / m²a. Wir haben bei einem Vorjahresverbrauch von 41.300 kWh für eine Nutzfläche von 190 m² also die Energiekennzahl 217 kWh/m².
  • Für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb sollten im Heizkreis Vorlauftemperaturen von max. 55 °C nicht überschritten werden. Infolge der vorhandenen Heizkörper ist für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb ggf. eine teilweise Vergrößerung der Heizflächen erforderlich. 
  • Der Heizungstausch mit Einbau einer Wärmepumpe würde noch durch die KfW bezuschusst: Gefördertes Auftragsvolumen 34.000 €, einmaliger Zuschuss 9.000 €.
  • Ebenso wären Maßnahmen zur Verringerung der Wärmeverluste durch die Gebäudehülle sinnvoll: Erneuerung der Fenster und Verbesserungen an den Zugangstüren. Dafür gibt es noch Zuschüsse des Bundesamtes für Wirtschaft und Aufuhrkontrolle (BAfA) in der Höhe von 15 % der förderungswürdigen Aufwendungen.
Diagram Jahresbilanz | © Gerhard Dangelmaier
© Gerhard Dangelmaier

Zum Schluss noch ein Blick auf die Klimabilanz: 

Flüssiggas kann zurzeit in 3 Qualitäten bezogen werden:

  • Reines Erdgas Bio-0
  • Mit 65 % Biogasanteil Bio-65
  • Reines Bio-Flüssiggas Bio-100
  • WP bedeutet Wärmepumpe

Folgerungen:

  • Bio-Flüssiggas ist teurer als fossiles Flüssiggas, weil es aufwändiger hergestellt werden muss. Die CO2-Bepreisung gleicht das noch nicht aus.
  • Die jährlichen Energiekosten sind für fossiles Flüssiggas und Wärmepumpenstrom mit 3100 € etwa gleich. Reines Bio-Flüssiggas kostet 1500 € mehr und verursacht immer noch einen CO2-Ausstoß von 2 t.
  • Eine mit regenerativem Strom betriebene Wärmepumpe würde unseren CO2-Ausstoß um ca. 7,5 t verringern. Das ist viel, denn das gesamte Jahresprogramm mit der umfangreichen Mobilität der Sektion verursacht ca. 35 t.

Wenn wir also den Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir in unsere Geislinger Hütte investieren und die entsprechenden Prioritäten setzen. Wer denn sonst, wenn nicht wir! Der DAV und Klimaschutz müssen untrennbar miteinander verbunden sein. 

Gerhard Dangelmaier, Klimaschutzkoordinator