Der AKN Göppingen und Klettern von A bis Z
Der „lange Heinz“ ein Urgestein in der Kletterszene in unserer Umgebung berichtet über gegenwärtige Aktivitäten des AKN und das oft schwierige Ringen um Naturschutzkonzepte in der Vergangenheit.
Es ist wieder ein kalter trockener Novembertag und die Ostwand des Albanus bekommt nur für ein paar wenige Stunden etwas Sonne ab. Ich muss diese Tage nutzen, denn für das Klettern am Albanus haben wir nur die Zeit vom 01.08. bis 31.12. dann ist er wieder gesperrt. Die Route Foxi will ich bis zur nächsten Klettersaison sanieren. Eine coole Erstbegehung von Georg Schlumberger und Jürgen Brandauer. Abseilen und dann an einer Kette aus der Wandmitte starten, so steht es im aktuellen Kletterführer.
Zum Beginn meiner Kletterjahre war der Albanus ein Meilenstein für uns Albkletterer, den musste man gemacht haben, wenn man dazugehören wollte. Heute ist es dort deutlich ruhiger – warum? Wenn es eine Vogelbrut gab, war der Fels für uns tabu – aber wieso jetzt jährlich eine Sperrung bis zum 31.07. fest ohne jegliche Flexibilität? Dazu ein kurzer Rückblick in den Sommer 1990. „Im nächsten Frühjahr ist die Hausener Wand gesperrt“ so stand es in unserer Lokalzeitung, und zwar für immer!! Im selben Artikel das Zitat von Werner Fischer (langjähriger Vorsitzender der Sektion Geislingen und stetiger Unterstützer unseres bald darauf gegründeten AKN) „Brauchen den Fels wie das tägliche Brot“. Wir Kletterer waren auf diese Situation NULL vorbereitet. Rasch gründeten alle bergsporttreibenden Vereine in unserem Kreis, den AKN Göppingen. Wir kartierten, machten uns schlau, erarbeiteten Schutzkonzepte für viele Felsen.
Den nächsten Schlag versetzte uns unsere Landesregierung. Per Gesetz erklärte sie alle Felsen zu einem schützenswerten Biotop mit der Weisung, dass nur dort geklettert werden darf, wo dies durch eine behördliche Verfügung erlaubt ist. Zu unserem Glück wurden bestehende Naturschutzgebiets-Verordnungen übernommen – so dass wir heute noch dort an der Hausener Wand klettern dürfen. Bis auf NRW hat kein Bundesland die Bundesvorgaben zum Naturschutz so einseitig zu Lasten von uns Kletterern umgesetzt. Damit drohte de facto dem gesamten Roggental die Sperrung, damals noch kein NSG (Naturschutzgebiet). Jeden Felsen haben wir mit Behördenvertretern untersucht. Es gab Vorort-Begehungen und viele Ordner wurden mit Schriftverkehr gefüllt. Naturschutzfachlich zeitlich zu lange Sperrungen bzw. nicht nachvollziehbare Teil- bzw. Komplettsperrungen sind leider bis heute die Folge.
Zurück zum Albanus, früher ein guter Steig da oft begangen, heute ein schmaler gut zu gehender Pfad. Wie oft ist der Charly Kornau schon hierher geradelt um den Weg und „seinen Albanus“ zu pflegen.
Er hat die klassische Route Albanus und die Schurrführe mit Bedacht saniert. Letztere ist nun eine moderne Route mit Klassikerpotenzial für alle Kletterer, welche sich im 6. Grad zuhause fühlen. Leichter gibt es am Albanus Nichts zu holen. Zwischen diesen beiden Routen dürft ihr die Linie Albtraum, aus Neuem und Altem zusammengeführt, klettern. Genügend neue Bohrhaken weisen den Weg, der in einer kurzen Passage den oberen 8.Grad fordert. Der obere ältere Teil der Linie von Jürgen Brandauer – sein Tipp „häng dich mal eine halbe Stunde an der Schlüsselstelle rein dann wirst Du die Lösung finden“. Bester Tipp für Augustnachmittage – wenn die Wand im Schatten liegt.
Auch dafür wird Geld vom AKN benötigt – Hier neuer Bohrhaken am Walfisch mit Blick über Hausen
Über dem Roggental Franzi und Marius Eisele auf dem Felskopf Albanus und Charly Kornau winkt
Ganz so schwer ist es in seiner Route Foxi nicht. Ich seile ab und markiere die Sanierungsstellen. Die Kette in der Wandmitte muss raus – ein paar Meter tiefer wird ein neuer Standplatz errichtet. Aber wieso bis hierher abseilen? In den Kletterführern wird immer eine Eleführe beschrieben. Meist nur gestrichelt eingezeichnet und mit Text „Nix Genaueres weiß man nicht“. Über diese Route habe ich schon viel versucht zu recherchieren aber erfolglos. Kann mir jemand weiterhelfen? Nach unten entdecke ich noch ein paar alte Haken den letzten ca. 10 m über dem Wandfuß – aber nicht so wie vermutet aus der Schurrführe kommend. Für mich die alte Eleführe. Diese lässt sich überraschend gut klettern und bis zum ersten Bohrhaken heißt es selber absichern – was für alle, die oben über Foxi weiter wollen kein Problem sein sollte. Ich petzle wieder nach oben und stelle fest – Foxi und die Ele ergeben eine neue gute Linie. Am Felskopf ist es jetzt schon schattig – die Sonne scheint nun in den egenüberliegenden Hang zum mächtigen Gabelfels. Dessen Kante trennt nicht nur Sonne und Schatten – sondern auch den Plaisirkletterer vom Albkletterer. Auch dort wurde in den letzten Jahren viel saniert und wieder sind es dieselben altbekannten Namen die dort Hand anlegen. Links vom Gabelfels die 3 Schulterfelsen – bester Fels, aufwendige Schutzkonzepte für die dort zweifellos schützenswerte Flora haben wir erstellt – aber wir haben keine Klettererlaubnis erhalten. Dabei wäre es wirklich möglich, der Flora und dem Klettern dort miteinander Genüge zu tun.
Für heute reicht es, ich packe meine Sachen zusammen, aber ich bin wiedergekommen. Gebohrt, geklebt und dann im nächsten August konnte ich die neue Linie Ele+Foxi begehen. Es ist eine schwere 7 geblieben – und wer am letzten Bohrhaken die direkte Variante klettern will, muss wohl auch hier den Tip vom Jürgen befolgen. Ich begnüge mich mit der Original-Linksschleife. Ob ihr umlenkt oder oben aussteigt – jedem nach seinem Gusto. Oben zu sitzen und die Kletterer am Roggenstein und Roggennadel zu beobachten ist auf jeden Fall ein Erlebnis. An diesem Felsenpaar entstehen noch immer neue Routen. Andreas Bogenschütz und Lauric Weber sind unermüdlich beim Erschließen, dort genauso wie an den Ravensteinen (zwischenzeitlich über 50 Routen).
Wie kommt ihr nun an die Infos für all das NEUE? Vielleicht habt ihr das Glück den Roggentalhausmeister Charly und seine Frau Uli am Fels zu treffen oder sonst einen der Erschließer – erkennbares Zeichen, Shirt mit Symbol und Aufschrift MEIN KLETTERLAND. Oder aber viel besser, ihr beteiligt Euch am nächsten offiziellen Wegebau – wie immer organisiert von Charlys Bruder Jochen Kornau. Wenn dieser Bericht im Sektionsheft zu lesen ist wird der Wegebau 2025 hoffentlich wieder erfolgreich und unfallfrei beendet sein. Aber auch 2026 am ersten Novemberwochenende heißt es wieder gemeinsam mit anpacken – gerade an den stärker frequentierten Felsen ist der Erosionsschutz, die Zuwegung etc. eine Dauerbaustelle. Diese Arbeiten bedürfen natürlich auch immer der behördlichen Genehmigung – und ich darf aus der Antwort des Regierungspräsidium zitieren „Herr Buchmann erneut für das jährliche Engagement rund um und auf den Felsen vielen Dank.“
So viel scheinen wir ja nicht falsch zu machen. Vielleicht engagierst auch Du Dich im AKN? Für das Z nehme ich Zarathustra zur Hilfe „Gehst Du zum Felse, vergiss die Keile nicht“.
DANKE an die Sektion Geislingen für die verlässliche Unterstützung in vielfältiger Form!
Im Namen des AKN – Arbeitskreis Klettern und Naturschutz
Heinz Buchman