Gut, den Harz würde ich jetzt nicht als alpin bezeichnen. Doch den Brocken sollte man sich, möglichst bei schönem Wetter, schon einmal erwandert haben. 33 Wanderinnen und Wanderer haben das vor und melden sich für diese schöne Reise an. Wolfram und Christa Sturm haben die Reise trefflich geplant. Das Carea Residenzhotel in Hahnenklee bei Goslar dient uns als Unterkunft. Hier können wir uns auch für unser Mittagsvesper am Frühstücksbuffet eindecken.
1. Tag: Heute ist eine Stadtführung in Goslar geplant: Goslar (Gos = Bach, Lar = Siedlung) mit über 800 Fachwerkhäusern zählt seit 1992 mit dem Erzbergwerk
Rammelsberg zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir besichtigen die schöne, ehrwürdige Stadt mit zwei sympathischen und kompetenten Führerinnen. Sie zeigen uns die Kaiserpfalz und beim Gang durch die Altstadt, die vielen, schönen, teils auch mit Schiefer verkleideten Fachwerkhäuser. Hier soll das große und prächtige Siemensstammhaus als Beispiel dienen. Um 18 Uhr sind wir dann in Hahnenklee im Hotel.
2. Tag: Wir fahren mit dem Bus zum Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus. Diplom-Biologe Dr. Hermann Martens und sein Mitarbeiter wandern dann mit uns in einer langen, ca. 5 Stunden und einer kurzen, ca. 3 Stunden Runde durch den Nationalpark, wobei uns fundamental und begreifbar die ganze Problematik des Waldsterbens erklärt, aber auch die Methodik zur fortschreitenden Regeneration nahegebracht wird. Leider bekommen beide Gruppen auf dieser Wanderung noch einen tüchtigen Schwall Regen ab, was aber die Stimmung nicht beeinträchtigt.
3. Tag: Heute soll die große Wanderung auf den Brocken stattfinden. Die Wetteraussichten sind, wie eigentlich die ganze Woche, durchwachsen. Wir fahren um 8.30 Uhr los, um eine Stunde später in Ilsenburg zu sein. Hier startet die große Tour mit 19,5 km und 842 hm von Ilsenburg über den Brocken nach Schierke. Ab hier wandern 12 Wanderer. Die anderen lassen sich noch nach Schierke fahren und wandern, nur 7,5 km und 500 hm auf den Brocken. Wir alle treffen uns dann auf dem Brockengipfel, der sich zwar windig, aber relativ freundlich und mit guter Fernsicht zeigt. Der Gipfel 1142 m hoch ist kahl, denn die Baumgrenze liegt hier bei knapp über 1100 Meter und an 300 Tagen gibt es Nebel. Einen Tag später, so erfahren wir, hat es auf dem Brocken minus 1 Grad und es fällt Schnee. So haben wir mit dem Wetter richtig Glück gehabt. Die Fahrt mit der Brockenbahn hinunter nach Schierke ist ein Highlight. Wir genießen die einmalige Fahrt mit der Dampflokomotive und sehen das ganze Ausmaß des Waldsterbens rund um den Brocken. Auf die Wanderer der großen Tour müssen wir noch eine Zeitlang warten, bis die zwölf fröhlich und erleichtert am Bahnhof eintreffen. Dampfbahn am Bahnhof Schierke fahren wir zurück und freuen uns auf das Abendessen.
4. Tag: Heute bleiben wir in Hahnenklee. Wir wandern hoch zum Bocksberg, machen Mittagspause an den Grumbacher Teichen und kommen, über den Liebesbankweg, zur wirklich sehenswerten Stabkirche. Sie wurde 1907/1908 nach Plänen von Karl Mohrmann ganz aus Holz erbaut. Zwölf Masten bestimmen die Grundkonstruktion, die Balken und Stäbe sind ohne Nägel gespundet und genutet. Wer die historischen Stabkirchen aus Norwegen kennt, ist überrascht von der detailreichen Gestaltung des Innenraumes und dem imposanten Äußeren. Zudem erfahren wir, dass am Abend ein Konzert mit klassischer Kammermusik stattfindet und so verabreden sich einige Musikliebhaber am Abend nochmals zur Kirche zu gehen.
5. Tag: Der weitgereiste Goethe sagte, das Bodetal ist das schönste Tal nördlich der Alpen. Die Anfahrt nach Thale dauert 45 Minuten. Gut die Hälfte der Wanderer steigt am Hexentanzplatz aus und wandert auf der Hochfläche, mit steilem Abstieg, nach Treseburg. Die anderen starten ab Treseburg. Von hier sind es statt 15 km nur noch 10 km. Zunächst durch lichten Wald mit alten Bäumen und interessanten Granitfelsen, bis zum Punkt wo schroff und steil aufragende Felsen eine spektakuläre Sicht freigeben. Hier sind wir dann auf Höhe der Roßtrappe zu der man sich einige Geschichten und alte Sagen erzählt. Ab der Teufelsbrücke geht es nur noch gemächlich dahin. Das Ende der Wanderung ist der Vergnügungspark in Thale. Hier fängt es dann kräftig an zu regnen und wir sind froh bei Kaffee und Kuchen das Ende abwarten zu können. Der Weitwandergruppe geht es ähnlich sie finden im Kiosk bei der Teufelsbrücke Unterschlupf. Fröhlich und entspannt fahren wir zurück ins Hotel, wo vier Rekonvaleszenten schon auf uns warten.
6. Tag: Die drei bekanntesten Gipfel im Harz wollen wir besteigen. Jetzt fehlt uns nur noch der Wurmberg bei Braunlage, Spähgipfel des Westens in den Osten. Durch den 32,5 Meter hohen Turm kommt der Wurmberg auf 1000 Meter. Der Aufstieg ist gemächlich, aber oben pfeift der Wind sehr stark und wir machen uns schnell wieder an den Abstieg, der uns auch auf dem Harzer Grenzweg abwärtsführt. Nach nur 12 km und 430 hm sind wir wieder unten am Bus und fahren zurück ins Hotel. Heute Abend ist das Pokalendspiel Stuttgart gegen Bielefeld, das einige nicht verpassen wollen.
7. Tag: Es herrscht dichter Nebel. Um 8.30 Uhr fahren wir nach Hause es regnet fast die ganze Strecke. Erst weit im Süden klart es auf und um 16.30 Uhr in
Geislingen scheint dann sogar die Sonne. Eine schöne Wanderwoche geht zu Ende.
Günter und Dagmar Weiler
Abbildung 1 Wandergruppe auf dem Wurmberg
Abbildung 2 Dampfbahn im Bahnhof Schierke
Abbildung 3 Kaiserpfalz Goslar
Abbildung 3 Gustav-Adolf-Stabkirche in Hahnenklee im Harz